Traumberuf: Bestatter

Wie es allgemein bekannt ist, absolviert man in der Schule ein sogenanntes Schülerpraktikum. Dies soll dazu dienen, dass Schüler in ihren Traumberuf mal rein schnuppern können und schauen können ob er wirklich so toll ist wie sie denken und ob der Beruf wirklich etwas für einen ist. In der 9. Klasse musste ich auch ein solches Schülerpraktikum absolvieren und nachdem ich über 50 Unternehmen angerufen habe, habe ich endlich ein Bestattungsunternehmen gefunden welches mich für ein paar Wochen aufnahm.

Manche von euch mussten jetzt vielleicht zweimal lesen aber ja richtig, dort steht Bestattungsunternehmen.

Ja vielleicht ist es jetzt ziemlich Klischeehaft, eine Gothicszene-Anhängerin (ja ich stecke mich freiwillig in diese Schublade und fühle mich dort sehr wohl) machte ein Praktikum bei einem Bestatter. Fakt ist aber, dass ich den Beruf absolut faszinierend finde.

Man hat die Ehre einen Menschen auf seinem letzten Weg zu begleiten, sei es nach einem langen Leben, nach einer Krankheit, nach einem Unfall oder auch nachdem ein Mensch umgebracht wurde. Dieser letzte Gang ist etwas sehr intimes. Nicht nur für den betroffenen Menschen, gerade auch für die Angehörigen die Abschied nehmen und nun ohne einen weiteren geliebten Menschen weitermachen müssen.

Bei einem Trauerfall ist man im Ausnahmezustand. Jeder Mensch geht anders mit Trauer um, einige sind psychisch erstmal weg, andere Leute stürzen sich in die Arbeit / ein Hobby, wieder andere Leute machen so weiter wie bisher und nehmen es noch gar nicht wahr.

Als Bestatter hat man dann die Aufgabe diese Leute zu führen, sie zu unterstützen und für sie da zu sein. Man organisiert die Beisetzung, spricht mit den Angehörigen den ganzen Ablauf ab, ob bestimmte religiöse Rituale zu beachten sind, ob es bestimmte Wünsche des Verstorbenen zu beachten gibt etc.

Dann versorgt man den Verstorbenen, richtet ihn her, wäscht ihn, kleidet ihn. Dort wo ich mein Praktikum absolviert habe, hat man sich auch darum gekümmert die Verstorbenen von Versicherungen, GEZ usw abzumelden.

Eine Beisetzung soll ein würdevoller Abschied von dem Verstorbenen sein. Gleichzeitig sollen die Angehörigen es auch als Abschied wahrnehmen. Es ist ein Wendepunkt im Leben, es wird ein Schlussstrich gezogen. Damit meine ich nicht das man den Verstorbenen vergessen soll, einfach, dass das Leben mit dem Verstorbenen vorbei ist und nun ein Leben ohne den Verstorbenen beginnt.

Deswegen empfinde ich es als wichtig, dass auch die Trauerfeier würdevoll gestaltet ist. Das die Trauerhalle mit Blumenarrangements, Kerzen, Tüchern oder sonstigem schön und angemessen dekoriert ist.

Ich empfinde den Beruf des Bestatters als sehr vielfältig. Für mich ist ein Bestatter nicht nur ein jemand der den Verstorbenen unter die Erde bringt (ganz salopp ausgedrückt), sondern auch jemand der sich um den Papierkram kümmert, zum Standesamt geht, mit der Friedhofsverwaltung alles regelt und gleichzeitig noch Psychiater ist, der den angehörigen Trost spendet und ihnen die schweren Aufgaben die zu einer Beisetzung gehören so weit wie möglich abnimmt.

Für viele sind Bestatter gruselig, unheimlich und manche haben sogar Angst vor ihnen. Für mich sind Bestatter Menschen, die einen sehr schweren Beruf haben, den es taktvoll und würdevoll auszuüben gilt.

Jetzt werden einige vielleicht denken ich wusste gar nicht das die Bestatterin ist. Bin ich auch nicht. Es war damals schon schwer genug einen Praktikumsplatz zu finden, damals (2009) haben viele Bestattungsunternehmen auch nicht ausgebildet, meist sind es ja familiengeführte Unternehmen und es gab genau eine Berufsschule für angehende Bestattungsfachkräfte (die sehr sehr weit weg ist). Ob es inzwischen noch eine gibt weiß ich gar nicht. Jedenfalls, nachdem der Kampf um einen Praktikumsplatz schon sehr hart war (ich habe gefühlt in ganz NRW rumtelefoniert) und man damals auch in der Ausbildung zur Bestattungsfachkraft nicht viel verdient hat für den Knochenjob habe ich mich doch schwerenherzens dagegen entschieden.

Dazu kam noch das man auch eine gewisse körperliche Kraft braucht, die bei mir definitiv nicht vorhanden ist. Ich kann mich noch an eine Situation in meinem Praktikum erinnern als ich mit dem Chef einen Sarg im Ausstellungsraum anders positionieren sollte. Ich habe den leeren Sarg nur ein paar Zentimeter anheben können, weil er einfach zu schwer war. Klar, daran kann man arbeiten, man kann Sport machen etc pp. Dennoch ist es nicht einfach.

Dazu kommt noch die psychische Belastbarkeit. Dazu kann ich nichts sagen, ich glaube, dass kann man erst wissen ob man dafür gemacht ist, wenn man eine Zeit lang in dem Beruf gearbeitet hat.

Für mich waren die Praktikumswochen aber sehr lehrreich. Ich durfte die Trauerfeiern dekorieren, ich durfte die Büroarbeit kennen lernen, Blumen bestellen, ich durfte Särge beschlagen und ich hatte die Ehre eine Urne in ihr Grab zu lassen.

Was ich nicht aktiv mit erleben konnte war einen Verstorbenen zu versorgen. Es gab in den 2 Wochen wo ich dort war einen „neuen“ Trauerfall. In dem Bestattungshaus war es üblich das Praktikanten bei der ersten Versorgung erstmal zusehen und sich alles erklären lassen und bei weiteren Trauerfällen, wenn man möchte, mithelfen darf.

Dieser Blogbeitrag beruht natürlich nur auf meiner Erfahrung als Praktikantin und spiegelt lediglich meine persönliche Meinung über den Beruf wieder. Ein Beruf, den ich sehr schätze.

Wer weiß wie es in 10-15 Jahren aussieht, vielleicht übe ich den Beruf dann ja doch noch aus 😉

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