Die Frost(b)eule!

Verbrennt die Pille!

Pillenblister

In den letzten Wochen habe ich mich vermehrt über andere Menschen geärgert. Nein, ich muss mich korrigieren. Nicht in den letzten Wochen. Ich ärgere mich seit Monaten über andere Menschen, insbesondere über andere Frauen. Ich ärgere mich über Frauen, die anderen Frauen die Selbstbestimmung absprechen wollen.

Ja, worum geht es nun eigentlich genau? Wo fange ich an?

Es geht um das Verhütungsmittel “Pille”. 1961 kam sie in Deutschland auf den Markt. War sie vorher nur für verheiratete Frauen und kaum genutzt, ist sie heute ein oft genutztes Verhütungsmittel. Wie viel Prozent die Pille nutzen kann ich nicht sagen. Ich habe vor diesem Beitrag etwas recherchiert und alle möglichen Angaben von 35% bis hin zu 55% gefunden. Letzten Endes ist die Prozentangabe für meinen Beitrag allerdings total egal.

Nun gibt es seit einigen Jahren viele Frauen, die lautstark über die Pille schimpfen. In den letzten Monaten ist der Ton in Social Media immer rauer und lauter geworden. Zumindest wirkt es so. Es gibt so viele Frauen, die die Pille absolut verteufeln und sogar fordern, dass sie verboten wird.

Jeder kennt bei Facebook und Co. die militanten Veganer, die allen ihren Lebensstil aufzwingen wollen, nicht diskussionsfähig sind, andere Sichtweisen nicht akzeptieren. Diese Veganer, die selbst von anderen Veganern nicht gemocht werden (bevor jemand meckert: Ich stehe voll hinter Veganern und kenne auch welche. Ich meine die, die wirklich missionieren und alle bekehren wollen.). Nun gibt es noch eine zweite militante Gruppe. Die “Pillenhasser” und zu 99% sind das Frauen. Leider muss ich sagen, diese Frauen sind noch viel schlimmer.

Wenn ich Aussagen von dieser Gruppe lese, ich weiß nicht ob ich heulen oder lachen soll. Was denken sich diese Frauen? Ich habe Aussagen gelesen wie, “keine Frau braucht die Pille” oder “die Pille ist für alle Frauen schädlich”. Anfangs war ich noch versucht mit diesen Frauen zu diskutieren. Ich habe auf Endometriose hingewiesen und das für viele Frauen die Pille die einzige Chance auf ein halbwegs normales Leben ist. Aber da kann ich ebenso mit der Wand reden.

Für diese Menschen ist die Pille wirklich pures Gift. Als würde man damit die komplette Menschheit vergiften, wenn man die Pille einnimmt. Es geht nicht darum, dass vernünftig über die Pille aufgeklärt wird, über Risiken und Nebenwirkungen. Es geht auch nicht darum zu schauen, für wen ist die Pille geeignet und wer sollte gesundheitlich vielleicht auf etwas anderes ausweichen. Es geht wirklich einfach darum die Pille an den Pranger zu stellen und bildlich gesprochen mit Fackeln und Heugabeln aus dem Dorf zu vertreiben.

Als ich 12 Jahre alt war setzte meine erste Regelblutung ein. Mit Schmerzen die ich nicht beschreiben kann. Schmerzen, die mich regelmäßig aus den Socken gehauen haben. Oft bin ich von der Schule früher nach Hause gegangen, nicht in der Lage zu sitzen oder zu stehen. Nur noch in der Lage, auf der Couch zu liegen, mit einer Wärmflasche die mit kochendem Wasser gefüllt wurde und Schmerztabletten zu nehmen, die nie anschlugen.

Klingt das für manche jetzt dramatisch? Ich soll mich nicht so anstellen? Rammt euch mal ein Messer unten rein und stochert noch ein bisschen damit rum. Dann reden wir nochmal über dramatisch und nicht so anstellen.

Mit 14 Jahren gab mir eine Klassenkameradin den Tipp zum Frauenarzt zu gehen und mir die Pille zu holen. Das habe ich dann auch gemacht, nicht nur zur Verhütung sondern auch, damit diese schlimmen Schmerzen aufhören.

Die Ärztin verschrieb mir dann die Pille die ich bald nehmen konnte. Was soll ich sagen? Ich will nie wieder ohne die Pille sein! Natürlich war nicht die erste Pille die Richtige, auch nicht die Zweite. Aber nachdem ich verschiedene Pillen ausprobierte, habe ich die gefunden, die die Schmerzen lindert, die Pille, mit der ich soweit leben kann. Sie hat mir so viel Lebensqualität zurück gegeben. Mit Planung kann ich nun auch an Veranstaltungen teilnehmen und habe die Möglichkeit die Pille ohne Pause zu nehmen um diesen schlimmen Schmerzen zu entgehen. Alleine diese Möglichkeit zu haben ist für mich Gold wert.

Und jetzt versetzt euch mal in meine Lage, bzw., in die Lage von vielen Frauen mit Endometriose. Ihr habt etwas, das gegen die Schmerzen hilft, das die Schmerzen erträglicher macht und so viel Lebensqualität zurück gibt. Dann kommt da eine Horde von Frauen und will die Pille am liebsten verbieten lassen und sagt dir, nein, du brauchst die Pille nicht, die ist total ungesund und schädlich.

Was soll das denn? Ich gehe ja auch nicht hin und sag zu den Frauen: “Ihr müsst jetzt die Pille nehmen!”. Soll doch bitte jede Frau so verhüten und einnehmen was und wie sie es will.

Es gibt nur einen Punkt, wo ich sage, da haben diese Frauen recht. Die Ärzte müssen die jungen Mädels besser aufklären, gerade wenn sie die Pille zum ersten Mal verschrieben bekommen.

Abgesehen von der fehlenden Aufklärung, sollten die Ärzte auch aufhören die Pille zu verschreiben, weil sie schönere Haare oder schönere Haut macht. Wobei “schönere Haut” wahrscheinlich auch individuell betrachtet werden muss aber da halte ich mich raus, weil ich davon keine Ahnung habe (starke Akne, krankhafte Akne, etc.).

Versteht den Beitrag nicht falsch. Es ist kein Lobgesang auf die Pille im Allgemeinen. Jede Frau muss für sich entscheiden, ob die Pille das Richtige für sie ist oder ob es für sie andere, vielleicht bessere Alternativen gibt. Es würde mir nie in den Sinn kommen die Frauen anzugehen oder anzufeinden, die für sich sagen, die Pille ist nicht das Richtige für sie.

Manche fragen sich jetzt vielleicht, was will ich mit dem Beitrag überhaupt sagen. Eigentlich nichts. Eigentlich wollte ich meinem Ärger jetzt einfach mal Luft machen. Aber abschließend möchte ich dieser Gruppe von extremen “Pillenfeindinnen” sagen: Ihr müsst sie ja nicht nehmen!

Titelbild von Gabriela Sanda auf Pixabay

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geschrieben von


Klakki

Hier schreibe ich (Sandra) über das was mich interessiert, in der Hoffnung das ich nicht die Einzige bin. Themen die dich erwarten: Serien, Bücher, Konzerte und Festivals.

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